Preis von E-Books: Unangenehm überrascht

Vor kurzem habe ich mich bei einem Gedanken ertappt, den ich so nie haben wollte. Ein Buch, das ich lesen möchte, erscheint nur im E-Book-Format, ich habe also keine Wahlmöglichkeit zwischen Papier und elektronischem Format, leider. Als E-Book ist das Buch aktuell für 5,18 Euro zu haben, dafür bekommt man den (scheinbar) finalen Teil einer Jugendbuchreihe und das auf 173 Seiten. Zugegeben, 173 Seiten sind für ein normales Buch nicht die Welt, damit hat man den Bereich der Kurzgeschichten aber trotzdem schon lange hinter sich gelassen. 

Beim ersten Blick auf Buch, Länge und Preis dachte ich doch tatsächlich "Huch, das ist aber ganz schön teuer", eine Sekunde nachdem mir dieser Gedanke in den Kopf gekommen war, schüttelte ich mich innerlich und fing an zu überlegen, ob ich bei einem Printbuch auch so gedacht hätte, wohl kaum. 
Klar, Printausgabe und E-Book 1 zu 1 zu vergleichen macht hier wenig Sinn, aber doch scheint es mittlerweile so zu sein, dass ich mich an die Schnäppchenpreise von E-Books (vor allem Englisch, selbst veröffentlicht) gewöhnt habe. Oft bekommt man normal lange Bücher für 0,99-2,99 Euro, wie viele Bücher ein Autor in diesem Preissegment verkaufen muss um davon leben zu können, mag ich mir gar nicht vorstellen (hat da jemand Zahlen dazu?). 
Drei Euro für ein Buch sind nicht viel, in meinen Augen praktisch nichts. Daher war für mich eigentlich immer klar, dass ich bei einem höheren Preis eines E-Books nicht schlucken würde, sondern im Gegenteil dem Autoren innerlich dazu gratulieren würde. Scheinbar haben mich die günstigen Preise beim Kauf englischsprachiger E-Books aber doch mehr beeinflusst als gewünscht, es war mal wieder wichtig, dass ich etwas länger darüber nachdenke, was mir ein Buch wert ist. Bücher, die weniger Kosten als ein Becher Kaffee, sind zum Teil die Norm geworden, vor allem bei selbst veröffentlichten englischen Büchern, doch die Kampfpreise sollen nicht die Norm in meinem Kopf werden, daran werde ich in Zukunft wohl immer mal wieder denken müssen. 

Das Buch, das der Anstoß für diese Überlegungen ist, habe ich übrigens noch nicht gekauft, erst will ich noch ein paar andere Bücher lesen, aber dann werde ich mich auf es stürzen.

Ergänzung: Bei dem Buch handelt es sich übrigens um "No more confessions" von Louise Rozett. 

Wem gehören Charaktere?

Eine Diskussion (um es mal nett auszudrücken), die vor einigen Wochen auf der Facebook-Seite von Autorin Nora Roberts stattgefunden hat, hat mich zum Nachdenken gebracht. Einige wenige Leser waren aufgebraucht (erneut eine nette Umschreibung der Situation), weil Nora Roberts verkündet hatte, das Eve Dallas in den In Death Büchern nicht (niemals nie) Mutter werden würde. Daraufhin vergaßen einige Leser ihre gute Kinderstube, fingen an die Autorin wüst zu beleidigen und pochten auf ihr Recht als Leser zu entscheiden, was mit Charakteren zu geschehen hat. 

Wie so oft war ich vom Tonfall einiger Kommentare überrascht, was muss man nur für ein trauriges Leben führen, wenn man mit so viel Unzufriedenheit und Hass in sich hat, auch war ich überrascht, dass einige Leser Charaktere quasi als persönliches Eigentum betrachteten. Auch wenn ich Bücher über alles liebe, bestimmte Charaktere fast schon vergöttere, so hatte ich nie den Gedanken daran, dass ich sie besitzen würde, dass ein Autor mich fragen müsste, ob eine bestimmte Entwicklung in einer Serie irgendwann eintreten soll oder nicht. 

In meinen Augen ist ein Autor so etwas wie ein Reiseführer. Er bestimmt den Ablauf meiner Reise, er entscheidet, was er mir zeigt und was nicht. Wie ich das Gesehene wiederum aufnehme und es verarbeite, was ich dabei fühle, das alles ist dann etwas ganz persönliches, das ich mit mir selbst ausmache. Der Autor bestimmt also die Geschichte, ich meine Emotionen darauf. Hat mich ein Autor auf eine spannende Reise mitgenommen, dann buche ich in Zukunft erneut, kaufe also auch ein weiteres Buch. Hat mir die Auswahl der Themen, der Charaktere nicht gefallen, bleibt es bei dieser einmaligen Reise. Aber zu keinem Moment geht die Entscheidung über die einzelnen Geschehnisse auf der Reise an mich über und darüber freue ich mich persönlich sehr. Denn ich will gar nicht entscheiden, was als nächstes passiert, dann könnte ich ja auch gleich selbst meine Ausflüge zusammenstellen, dann könnte ich auch gleich selbst das passende Buch dazu schreiben. 

Daher liebe Autoren, vielen Dank an die tollen Reisen, auf die ihr mich schon mitgenommen habt, ich freue mich auf viele mehr. 

Die Sache mit der Geduld

Im normalen Leben habe ich kein Problem mit der Geduld, ok, ich besitze sie nicht im Übermaß, aber es geht. Auch bei Büchern habe ich in den meisten Fällen gelernt etwas geduldiger zu sein, ich muss nicht mehr jedes neue Buch sofort am Erscheinungstag haben, ich kann auch ein paar Tage oder Wochen darauf warten. Es gibt aber natürlich Ausnahmen, so will ich z.B. jedes neue Buch von Nora Roberts aka J.D. Robb noch am Erscheinungstag in den Händen halten, warten will ich da nicht.

Vor kurzem kam "Festive in Death" heraus, in den letzten Jahren konnte ich die In Death Bücher meist ein paar Tage vor dem Erscheinungsdatum im lokalen Hugendubel entdecken, dieses Mal leider nicht. Ich habe daher beschlossen das Buch über mein kleines Büchergeschäft zu kaufen, es war einen Tag vor dem eigentlichen Erscheinungsdatum auf Lager, bei anderen Anbietern noch nicht. Also klickte ich auf bestellen, leider wurde das Buch am nächsten Tag nicht geliefert, die Auslieferung verzögerte sich nach Auskunft um 4-10 Tage (bei solchen Angaben könnte ich anfangen zu schreien). 

Ok, Bestellung wieder storniert und online bei allen anderen Anbietern geschaut, nirgendwo war das Buch auf Lager. Einen Tag später änderten sich die Meldungen dann so langsam, das Buch schien nun bei einigen Händlern verfügbar zu sein, ich bestellte also erneut (bei einem anderen Geschäft) und hoffte, das Buch am nächsten Tag abholen zu können. Am nächsten Morgen erneut eine Verzögerungsmeldung, mein Puls schnellte spontan auf 180 hoch und Schnappatmung setzte ein. Buch also wieder storniert, da erneut nur eine vages Versanddatum gennant wurde. Am gleichen Tag bin ich in ein großes Buchgeschäft mit englischer Buchabteilung gegangen und habe gefragt, ob sie das Buch denn in den nächsten Tagen bekommen würden, die Antwort war nein. Ich wusste zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr, wie ich denn an dieses verdammte Buch kommen sollte.
Ich beschloss dann noch ein paar Tage zu warten und es dann mit dem Bestellen noch einmal zu versuchen. Am nächsten Tag war ich wieder in der Buchhandlung, ich wollte mal nach den neuen Kalendern schauen. Und was sehe ich da? "Fantasy in death"! Just dieses Buch, dass doch nach Auskunft nicht da sein sollte. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mich gar nicht mehr freuen oder aufregen, ich war nur noch erleichtert das Buch endlich in den Händen halten zu können und habe mich auf dem Heimweg gleich ans Lesen gemacht.

Hätte ich ein bisschen mehr Geduld gehabt, ein paar Tage länger in Ruhe gewartet, hätte ich mir viel Stress ersparen können. Aber ich will ehrlich sein, in Zukunft würde ich bei meinen Lieblingsautoren wieder genauso agieren, denn manchmal pfeife ich auf die Geduld und mache mir lieber etwas Stress, bei bestimmten Büchern gehört das irgendwie dazu.