Wem gehören Charaktere?

Eine Diskussion (um es mal nett auszudrücken), die vor einigen Wochen auf der Facebook-Seite von Autorin Nora Roberts stattgefunden hat, hat mich zum Nachdenken gebracht. Einige wenige Leser waren aufgebraucht (erneut eine nette Umschreibung der Situation), weil Nora Roberts verkündet hatte, das Eve Dallas in den In Death Büchern nicht (niemals nie) Mutter werden würde. Daraufhin vergaßen einige Leser ihre gute Kinderstube, fingen an die Autorin wüst zu beleidigen und pochten auf ihr Recht als Leser zu entscheiden, was mit Charakteren zu geschehen hat. 

Wie so oft war ich vom Tonfall einiger Kommentare überrascht, was muss man nur für ein trauriges Leben führen, wenn man mit so viel Unzufriedenheit und Hass in sich hat, auch war ich überrascht, dass einige Leser Charaktere quasi als persönliches Eigentum betrachteten. Auch wenn ich Bücher über alles liebe, bestimmte Charaktere fast schon vergöttere, so hatte ich nie den Gedanken daran, dass ich sie besitzen würde, dass ein Autor mich fragen müsste, ob eine bestimmte Entwicklung in einer Serie irgendwann eintreten soll oder nicht. 

In meinen Augen ist ein Autor so etwas wie ein Reiseführer. Er bestimmt den Ablauf meiner Reise, er entscheidet, was er mir zeigt und was nicht. Wie ich das Gesehene wiederum aufnehme und es verarbeite, was ich dabei fühle, das alles ist dann etwas ganz persönliches, das ich mit mir selbst ausmache. Der Autor bestimmt also die Geschichte, ich meine Emotionen darauf. Hat mich ein Autor auf eine spannende Reise mitgenommen, dann buche ich in Zukunft erneut, kaufe also auch ein weiteres Buch. Hat mir die Auswahl der Themen, der Charaktere nicht gefallen, bleibt es bei dieser einmaligen Reise. Aber zu keinem Moment geht die Entscheidung über die einzelnen Geschehnisse auf der Reise an mich über und darüber freue ich mich persönlich sehr. Denn ich will gar nicht entscheiden, was als nächstes passiert, dann könnte ich ja auch gleich selbst meine Ausflüge zusammenstellen, dann könnte ich auch gleich selbst das passende Buch dazu schreiben. 

Daher liebe Autoren, vielen Dank an die tollen Reisen, auf die ihr mich schon mitgenommen habt, ich freue mich auf viele mehr. 

Die Sache mit der Geduld

Im normalen Leben habe ich kein Problem mit der Geduld, ok, ich besitze sie nicht im Übermaß, aber es geht. Auch bei Büchern habe ich in den meisten Fällen gelernt etwas geduldiger zu sein, ich muss nicht mehr jedes neue Buch sofort am Erscheinungstag haben, ich kann auch ein paar Tage oder Wochen darauf warten. Es gibt aber natürlich Ausnahmen, so will ich z.B. jedes neue Buch von Nora Roberts aka J.D. Robb noch am Erscheinungstag in den Händen halten, warten will ich da nicht.

Vor kurzem kam "Festive in Death" heraus, in den letzten Jahren konnte ich die In Death Bücher meist ein paar Tage vor dem Erscheinungsdatum im lokalen Hugendubel entdecken, dieses Mal leider nicht. Ich habe daher beschlossen das Buch über mein kleines Büchergeschäft zu kaufen, es war einen Tag vor dem eigentlichen Erscheinungsdatum auf Lager, bei anderen Anbietern noch nicht. Also klickte ich auf bestellen, leider wurde das Buch am nächsten Tag nicht geliefert, die Auslieferung verzögerte sich nach Auskunft um 4-10 Tage (bei solchen Angaben könnte ich anfangen zu schreien). 

Ok, Bestellung wieder storniert und online bei allen anderen Anbietern geschaut, nirgendwo war das Buch auf Lager. Einen Tag später änderten sich die Meldungen dann so langsam, das Buch schien nun bei einigen Händlern verfügbar zu sein, ich bestellte also erneut (bei einem anderen Geschäft) und hoffte, das Buch am nächsten Tag abholen zu können. Am nächsten Morgen erneut eine Verzögerungsmeldung, mein Puls schnellte spontan auf 180 hoch und Schnappatmung setzte ein. Buch also wieder storniert, da erneut nur eine vages Versanddatum gennant wurde. Am gleichen Tag bin ich in ein großes Buchgeschäft mit englischer Buchabteilung gegangen und habe gefragt, ob sie das Buch denn in den nächsten Tagen bekommen würden, die Antwort war nein. Ich wusste zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr, wie ich denn an dieses verdammte Buch kommen sollte.
Ich beschloss dann noch ein paar Tage zu warten und es dann mit dem Bestellen noch einmal zu versuchen. Am nächsten Tag war ich wieder in der Buchhandlung, ich wollte mal nach den neuen Kalendern schauen. Und was sehe ich da? "Fantasy in death"! Just dieses Buch, dass doch nach Auskunft nicht da sein sollte. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mich gar nicht mehr freuen oder aufregen, ich war nur noch erleichtert das Buch endlich in den Händen halten zu können und habe mich auf dem Heimweg gleich ans Lesen gemacht.

Hätte ich ein bisschen mehr Geduld gehabt, ein paar Tage länger in Ruhe gewartet, hätte ich mir viel Stress ersparen können. Aber ich will ehrlich sein, in Zukunft würde ich bei meinen Lieblingsautoren wieder genauso agieren, denn manchmal pfeife ich auf die Geduld und mache mir lieber etwas Stress, bei bestimmten Büchern gehört das irgendwie dazu. 

Das muss ich unbedingt mal lesen

Es gibt Bücher, die muss ich irgendwann unbedingt mal lesen, das sage ich mir zumindest selbst. Oder wenn schon nicht bestimmte Bücher, dann wenigstens ein Buch eines bestimmten Autoren. In meinem Kopf gibt es daher eine "Das muss ich unbedingt mal lesen"-Liste mit einer Reihe von Buchtiteln und Autoren. Oft kann ich gar nicht genau sagen, warum ich die Bücher eigentlich lesen will, manchmal habe ich aber auch eine ganz genaue Vorstellung von dem Grund. Manchmal sind es von anderen geliebte Bücher, deren Magie ich auch gerne erleben möchte, manchmal spricht mich auch etwas an den Büchern an, ohne dass ich es in Worte fassen könnte. Man hat dann dieses unbestimmte Gefühl und weiß, dass man ihm folgen muss. 

Manchmal komme ich recht schnell dazu ein Buch zu lesen, manchmal dauert es Jahre. Ich entscheide nach Gefühl, wann es für welches Buch endlich mal Zeit wird, manchmal verschwinden auch Bücher oder Autoren von der Liste, ohne dass ich sie je gelesen habe, auch hier verlasse ich mich wieder auf mein Lesegefühl, dies weiß es meistens am besten.

Auf meiner Liste stehen Autoren, die vor Jahrhunderten gelebt haben und deren Bücher als Klassiker bezeichnet werden, aber auch moderne Autoren aus den verschiedensten Genren finden auf meiner Liste Platz. Mit geht es nicht um die Wichtigkeit eines Werks, sondern meist um die Befriedigung einer gewissen Neugier, manchmal muss man wissen, was sich hinter einem Autoren versteckt. 

Manchmal liebe ich die Bücher von dieser "Das muss ich unbedingt mal lesen"-Liste, manchmal aber auch nicht. Manchmal verstehe ich ihren Reiz auf andere Leser überhaupt nicht, manchmal verliebe ich mich Hals über Kopf, es ist immer sehr spannend.

Als letztes habe ich übrigens den Namen John Green von dieser Liste gestrichen, seit Jahren wollte ich endlich mal etwas von ihm Lesen, auch wenn mich eine innere Stimme immer warnte, dass die Bücher nichts für mich sein werden. Vor kurzem habe ich diese Stimme endlich ignoriert und "The fault in our stars" und "An abundance of Katherines" gelesen, das erste Buch war für mich ok, das zweite mochte ich überhaupt nicht. In beiden Büchern kamen mir die Charaktere, Emotionen und Beziehungen leider ziemlich blass vor, außerdem mochte ich die beiden männlichen Protagonisten so gar nicht, man kann also sagen, dass die Chemie zwischen Autor und Leser in diesem Fall leicht gestört war. :) 
Meine innere Stimme hatte im Endeffekt also den richtigen Riecher. Und trotzdem bin ich froh, dass ich die beiden Bücher gelesen habe, denn ich hätte mich ja auch auf Anhieb in sie verlieben können.  Mag ich ein Buch nicht, geht die Welt nicht unter, aber immerhin ist auf meiner Liste jetzt wieder  ein Platz freigeworden, mal sehen, wer diesen einnehmen wird.